Warum ich 2016 wieder einen Papier-Kalender benutzen werde

Es gibt viele gute Gründe für einen digitalen Kalender. Es gibt ohnehin einige gute Gründe so viel wie möglich in seinem Leben zu digitalisieren. Vor allem als Minimalist. Einsen und Nullen wiegen zum Beispiel einfach sehr wenig im Vergleich zu allen anderen Materialien. Aber nach einigen Jahren Kalender digital werde ich ab 2016 wieder einen Papierkalender verwenden. Ehrlicher: Ich habe schon damit begonnen. Denn es gibt sie, die Vorteile die für einen Papierkalender und Gründe gegen die Digitalisierung allgemein. 

Um für eine offene Haltung zu werben eines vorne weg: Ich bin weder gegen digitale Kalender, noch bin ich dafür den Laptop gegen die Schreibmaschine zu tauschen. In diesem Gedankenbericht, möchte ich ganz offen diskutieren welche Vor- und Nachteile das jeweilige System bietet. Daher sind auch Kommentare ausdrücklich erwünscht.

Ich vergleiche hier meinen digitalen Kalender in meinem smartphone mit einem daumendicken und handflächen großen Papierkalender. Ich will dabei beide Stimmen zu Wort kommen lassen aber nicht verheimlichen, dass derzeit der Papierkalender wesentlich attraktiver daherkommt.

Ein Papierkalender fühlt sich einfach gut an. Man kann darin blättern. Keine Animation der Welt kann das jemals ersetzen. Und warum auch? Das Gefühl von Papier zwischen den Fingern ist einzigartig. Ein modernes Smartphone fühlt sich auch gut an. Am Ende also reine Geschmacksfrage? Bestimmt, aber ein Gefühl, das ich offenbar vermisst habe, denn ich blättere derzeit gerne in meinem Kalender herum, fühle die Seiten, genieße den Anblick meiner Handschrift.

Wie in Stein gemeißelt. Über die letzten Jahre bin ich das Gefühl niemals ganz losgeworden, dass meine digitalen Kalendereinträge nicht so fest im smartphone verankert sind, wie meine Einträge (Kugelschreiber) im Kalender. Bei meinem smartphone ist es mir leider sogar einige Male passiert, dass ich per Fingerwisch einen Termin um ein paar Stunden verschoben habe und mir hinterher der Uhrzeit nicht mehr sicher war. Seitdem schrieb ich die Uhrzeit noch mit in den Termin. Eine Dopplung, die mich immer ein wenig ärgerte. Ganz allgemein schienen mir die Einträge in digitaler Form nie zu 100% sicher. Vielleicht weil ich ein Kind der 80er Jahre bin? Weil ich meiner Handschrift auf Papier mehr vertraue als einem digitalen Eintrag, mit dem man nach der Erstellung theoretisch machen kann, was man will?

Zugegeben, beim Papierkalender musste ich bereits ein paar Termine streichen (wortwörtlich) und sie an anderer Stelle wieder eintragen. Der Platz ist mir deshalb aber noch nicht ausgegangen und ich ärgere mich deshalb nicht. Vielmehr gibt mir das einen Überblick darüber, wie häufig oder selten ich Termine wirklich verschieben muss. Und ich lerne wieder das Eintragen mit Bleistift oder benutze für unsichere Termine ein Post-it.

Kalender, Notizblock und Tagebuch in einem. Drei apps in einer sozusagen. Notizen landen jetzt häufig auf einem Post it in meinem Kalender auf den freien Seiten vorne oder hinten. Hier ist wie eh und je ‚Platz für ihre Notizen‘. Die freien Zeilen des vergangenen Tages benutze ich zudem für kurze Tagebucheinträge. So wird mein Papierkalender zu einem kleinen Logbuch meines Lebens. Etwas indem ich in einem Jahr bestimmt noch einmal blättern werde. Die Vorstellung nervt das alles in einer app auf dem im Vergleich sehr kleinen Monitor meines smartphones zu machen. Es geht einfach alles schneller.

Ja, es geht schneller. Ein Eintrag auf Papier geht (ist der Stift einmal zur Hand, das gebe ich zu) schneller. Und manchmal ist eben kein Stift da. Und manchmal ist eben auch kein Kalender da. Ich bin ein Freund von freundlichen Ausreden und nettem Nein-Sagen. Es war manchmal praktisch immer einen Kalender (smartphone) in der Tasche zu haben, aber manchmal auch anstrengend. Heute kann ich auf die Frage nach einem freien Termin entspannt auf die Abwesenheit meines Kalenders verweisen. Was nicht heissen soll, dass ich gar keinen Termin machen will, wenn ich das sage. Nur manchmal möchte ich eben keine sofortige Zusage geben, will Bedenkzeit, auch Rücksprache mit meiner Partnerin. Hier hilft mir der gute alte Kalender sehr.

Viele Pro- und Contra Argumente kann man wie Tennisbälle hin und her schießen. Der Papierkalender hat kein Backup und keine Synchronisation mit dem Kalender anderer Familienmitglieder. Das ist richtig. Halbrichtig. Nach einem Jahr stelle ich meinen Papierkalender in meinen Schrank. Er bildet das Backup für alle Geburtstagsdaten, Telefonnummern und sonstige dauerhaften Informationen. Die Verknüpfung mit den Kalendern der anderen Familienmitgliedern gibt es dann doch. Es heißt Gespräch. Aus einem „Hast du gesehen?“ „Ja“, wird jetzt häufig ein „Unsere Freunde wollen sich am 8.Januar mit uns treffen, da haben wir noch nichts, oder?“ Es entsteht ein Gespräch. Das ist gut. Wirklich. Das ist sogar besser! Miteinander sprechen stellt noch immer die beste Synchronisation zwischen Menschen dar. Davon bin ich fest überzeugt.

Der Papierkalender könnte geklaut werden, das smartphone aber auch.

Papier vergilbt mit den Jahrzehnten. Software ändert sich, Dokumente können nicht mehr geöffnet werden, auch Dateien können über die Jahre Schaden nehmen.

Digitale Kalender und co helfen den Papierverbrauch zu senken, digital ist also gut für die Umwelt, weniger Bäume müssen abgeholt werden. Das Argument fliegt einem leider schnell um die Ohren, schaut man sich einmal an, welche Ressourcen man benötigt für die Herstellung der Bauteile für ein modernes smartphone. Das will ich an dieser Stelle nicht ausführen, das kann jeder mit ein paar Klicks selbst herausfinden.

Mein letztes Argument: Seitdem ich (auch erst seit ein paar Wochen) einen Papierkalender benutze, spüre ich, dass sich mein Gedächtnis verbessert hat. Ich kann mich besser an Dinge erinnern, die ich händisch notiert habe. Ich kann sogar wieder ein paar Telefonnummern auswendig. Auswendig! Und letztendlich fühlt es sich einfach gut und richtig an mit einem Papierkalender in der Hand.

Ist das noch minimalistisch? Papierkalender sammeln, während man ansonsten nur eine app hätte? Das kommt darauf an, wie man Minimalismus betrachtet. Zugegeben, das Gesamtgewicht meines Gewichtes steigt so um einige Gramm jedes Jahr. Das werde ich aber an anderer Stelle wieder ausgleichen können. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Wie geht es euch? Nutzt ihr den mitgelieferten Kalender eurer smartphones überhaupt? Wie haltet ihr es mit dem Kalender? Digital oder Papier?

Marco Mattheis, 20.Dezember 2015

23 thoughts on “Warum ich 2016 wieder einen Papier-Kalender benutzen werde

  1. Sandra

    Hallo Marco, ich danke dir für deinen Artikel. Ich benutze im nächsten Jahr auch seit 2008 erstmals wieder einen Papiertaschenkalender, aber im Gegensatz zu dir bin ich mir noch nicht so sicher, ob er praktischer ist. Schöner ist er aber auf jeden Fall (guck: https://lieblingslehrerin.wordpress.com/2015/12/12/blick-in-den-neuen-wochenkalender-video/)

    Auf jeden Fall mag ich dein Argument: “Miteinander sprechen stellt noch immer die beste Synchronisation zwischen Menschen dar. Davon bin ich fest überzeugt.” 🙂

    Und ich weiß ganz sicher, dass mir der digitale Kalender das Gefühl für das Datum genommen hat, was ich mit dem Papierkalender zurückzukriegen hoffe.

    Ich wünsche dir friedvolle Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

    Sandra von ganzichselbst

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    1. marcomattheis Post author

      Der Kalender wäre nichts für mich, aber schön, dass es noch mehr Menschen gibt, die die Rückkehr versuchen. Ich glaube ein Kalender sagt alleine für sich schon viel über den Benutzer aus. Ich habe jedenfalls viel Freude an der Benutzung und freue mich entsprechend auf das kommende Jahr.

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  2. Caro

    Hallo Marco,
    ich habe mich nie mit diesem digitalen Kalendern anfreunden können und benutze seit Jahren ein Ringbuch A5. Während ich die Seiten beschrifte (1 Seite = 1Woche), trage ich auch Geburtstage ein. Notizen und z.B. Bahnfahrkarten hefte ich dazwischen. Jeden Abend schaue ich hinein und merke mir, was am nächsten Tag anliegt. Meistens kann ich ihn dann zuhause lassen.

    Guten Rutsch, Caro

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  3. Philipp

    Hallo Marco,

    ich bin jüngst erst von Papierkalender auf digital umgestiegen. Bisher finde ich es besser für mich. Vieles mache ich allerdings weiterhin auf Papier, beispielsweiße Notizen, Ideen- und Konzeptentwicklung und handschrifliche Bücher wie meine Zitatesammlung. Nur trage ich jetzt ein Buch weniger mit mir. 🙂

    Alles Liebe,
    Philipp

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  4. Astrid

    Lieber Marco,
    da denke ich doch mal WIEDER darüber nach, was es Gutes hätte.
    Noch bin ich vom digitalen Kalender überzeugt, da ich am Liebsten das Haus mit so wenig wie möglich verlasse. Im besten Fall: Handy (incl. Kalender), Schlüssel (nur die, die ich an diesem Tag benötige) und wenigen Taschentüchern. Und ich liebe das Haptische von Handkalendern. 😉
    Es scheint für mich einfacher zu händeln, da auch alle Geräte miteinander “reden”. Und dennoch sauge ich Deine “Für-Gedanken” auf. Das ist schön.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Astrid

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    1. marcomattheis Post author

      ich denke, auch beim Thema Kalender gibt es kein richtig oder falsch und auch kein modern und altmodisch im Sinne von richtig oder falsch. ich genieße derzeit jedenfalls sehr die Vorteile des Papierkalenders.

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  5. Andreas

    Auch ich habe seit 2016 wieder einen Papierkalender. Zum einen liegt das an den Gründen, die Marco Mattheis in seinem Artikel sehr schön beschreibt. Und dann wären es für mich noch zwei weitere Gründe, die mich dazu bewegten: Zum einen werden meine Augen schlechter. Auf dem iPad habe ich echt Probleme, die Kalendereinträge bequem zu lesen, geschweige denn über eine Woche den Überblick zu bekommen. Zum anderen, und das ist für mich fast noch ein wichtigerer Grund: ich will nicht immer für andere verfügbar sein. Wenn ich meinen Kalender per iPhone immer dabei habe, rutscht automatisch die Verantwortung, Termine sofort, quasi “aus der Hüfte heraus” anbieten zu können, auf meine Seite. Über Jahre hinweg habe ich dies immer als eine Belastung empfunden, habe mich dadurch unter Druck setzen lassen. Und das will ich nicht mehr. Wenn mich heute jemand zwischen Tür und Angel auf einen möglichen Termin anspricht, kann ich guten Gewissens den Ball zurückspielen und sagen: “Bitte, rufen Sie mich doch nochmals da und da an. Dann können wir ja einen Termin ausmachen” diese Entschleunigung gönne ich mir.

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    1. marcomattheis Post author

      das ist ein wichtiger Punkt. Später in den Kalender gucken zu können/”müssen” ist ein echter Zugewinn. “Zeitsouveränes Terminmanagement” sozusagen.

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  6. Anja

    Hallo Marco,

    ich war immer und bin bis heute bei der Papierversion des Kalenders geblieben. Den “idealen” Kalender für mich zu finden – war das eigentlich Herausfordernde, da ich viele Jahre lang, sämtliche Termine – auch über Wochen und Monate hinweg ausschließlich im Kopf hatte. Und den musste ich irgendwann davon entlasten …

    Nun habe ich für eine Woche zwei Seiten die Tage auf der linken Seite und die rechte Seite frei für Notizen, Gedanken, Erinnerungen, Planungen … und den kleinen Kalender im A6-Format habe ich, wie auch den notwendigen Stift, immer dabei.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

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    1. marcomattheis Post author

      Mein nächster Kalender (2017) wird auch mehr Platz für Notizen haben. Stellt sich heraus: Der Kalender ist auch ein guter Ort um ein bisschen Tagebuch zu führen.

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      1. Andreas

        Mein Kalender ist der Taschenbegleiter von Roterfaden. Linke Seite die Woche, rechte Seite Raum für Notizen. Sehr praktisch und übersichtlich!

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  7. Karin

    Ich lebe schon lange mit einem Papierkalender – aber ich bin ja auch ein Kind der 60er!
    Nein, nicht deswegen, sondern weil ich mit vielen einzelnen Terminen jede Woche eine gute Wochenübersicht brauche, weil ich es liebe auf Papier zu notieren, zu kritzeln, weil er schneller gezückt ist, ja, und weil ich das Gespräch über Urlaubsplanung und Wochenend-Verabredung liebe, wenn abends alle mit einem Glas Rotwein um den Tisch sitzen und wir den großen Jahresplaner vor der Nase haben …

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  8. Christoph

    Ich nutze Outlook und das Smartphone, weil ich einen gemeinsamen Kalender mit dem Kollegen und einen mit meiner Frau führen muss. Da ist das schon praktisch. Wir alle haben recht viele Termine.

    ABER:
    Ich will das nicht. Ich liebe es handschriftlich zu arbeiten, zu schreiben, zu streichen, zu malen, zu markern, usw…

    Mein “Herzens”-Kalender ist das Time-Center von Brunnen in A5. Woche auf zwei Seiten und 200 Seiten Notizpapier. Ich denke, in 2017 wird der es auch wieder werden. Und die gemeinsamen Termine in Beruf und Familie? Nunja, irgendwie wird es funktionieren 🙂

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    1. marcomattheis Post author

      Hallo Christoph,
      über die berufliche Notwendigkeit von digitalen Kalendern kann ich nicht so viel sagen. Wir haben auf der Arbeit auch einen, aber es würde auch ohne gehen. Meine Erfahrung mit Papierkalendern und gemeinsamen Kalendern in der Familie: Mit dem Papierkalender redet man wieder miteinander über die Termine und bestätigt sie nicht nur. Digitale Kalender regen definitiv nicht die Kommunikation an. Und wer den Papierkalender allein ablehnt, weil er häufig Termine schieben muss, dem sei Bleistift und Radiergummi empfohlen. Viele Termine trage ich auch erstmal nur mit einem kleinen Post it ein. Ja, das kostet mehr Papier als ein digitaler Kalender. Aber anders als smartphones, besteht ein Papierkalender aus nachwachsenden Rohstoffen. Und ja, es ist haptisch reicher mit Papier zu arbeiten als nur zu wischen und zu drücken.

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  9. Pingback: Papierkalender 2016! Und jetzt? Digital oder auf Papier ins Jahr 2017? | marco-mattheis.com

  10. Pingback: Adventskalender für Erwachsene | Mikes Freizeit Blog

  11. Steffi

    Ich arbeite seit mehreren Jahren sehr zufrieden mit einem Woche-links-Notizen-rechts Moleskine, dessen Nutzungseffizienz ich für mich nach und nach optimiere (z.B. mit GTD). Gleichzeitig sehe ich gerade bei Versammlungseinladungen, die sich automatisch in den Kalender einspeisen einen großen zeitlichen Vorteil der digitalen Kalender. Dennoch habe ich den Eindruck, dass ich bestimmte Ordnungs- Planungs- und Erinnerungssysteme in ‘plastischer’ Form zeit- und auch erinnerungseffizienter umsetzen kann als in digitaler Form. Denn dort bedeutet eine Vielzahl von Funktionen auch immer eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten… und -zwängen. Beispiel Terminanlage: Titel? Eingabe. Raum? Eingabe. Ganztägig? Nein. Uhrzeit von? Auswahl Stunden, Auswahl Minuten. Uhrzeit bis? Auswahl Stunden, Auswahl Minuten. Einmalig/Serie? Auswahl. Erinnerung? Auswahl. Kommentar? ggf. Eingabe usw.
    In der Papierform schreibe ich das Ergebnis meiner eigenen, nicht zusätzlich auferlegten Überlegungen und Entscheidungen auf und meine, damit schneller zu sein.
    Darüber hinaus kritzele ich gerne auf den leer gebliebenen Notitzeiten vergangener Wochen oder notiere den einen oder anderen kreativen Erguss. Dabei schätze ich die Freiheit auf dem Papier sehr, also die Tatsache, nicht die vorgegebene UI oder den Funktionsumfang einer Software als Arbeitsbedingung berücksichtigen zu müssen.
    Bis jetzt klappt es für mich gut so, aber ich halte weiterhin die Augen und Ohren offen, denn mit sich ändernden Lebensumständen ändern sich ja auch die Ansprüche an die eigene Organisationsmethode.

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